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„Es gilt das gestrichene Wort“

Randnotitz

Die Neue Osnabrücker Zeitung hat ein Interview mit Götz George ganz explizit nicht veröffentlicht. Die Zeitung ist dabei den inzwischen nicht mehr so seltenen Weg gegangen, die grassierenden Autorisierungs-Unsitten in der Schauspielbranche als Grund dafür auch klar zu benennen. Wobei aus dem Text nicht hervorgeht (das ist auch manches Mal nicht klar zu unterscheiden), ob es sich um Streichaktionen durch den Schauspieler selbst  oder eine (PR-) Agentur handelt.

Auch ca:st hat mit solchen Unsitten immer wieder mal zu kämpfen. Und das, obwohl ja nun jedem klar sein dürfte, dass es im Schauspielermagazin nie darum geht, scheinheilig irgendwelche schlüpfrigen Intim-Details abzuBILDen. Manchmal lohnt es sich durchaus, sich gegen krasse Versuche zu wehren, aus einem würzigen Gespräch eine fade PR-Suppe zu machen (so manches Mal erfährt man im direkten Gespräch mit den Schauspielern auch im Nachhinein, dass die Änderungen an ihnen vorbei vorgenommen wurden) oder gar kritisch empfundene Fragen (!) zu streichen. Wenn die Forderungen der betreuenden Agentur allzu dreist werden, entscheiden wir uns allerdings ebenfalls ganz gegen ein Interview – so zuletzt im Fall Bruno Ganz, als die Film-PR-Agentur sich schriftlich bestätigen lassen wollte, dass wir nur von ihr genehmigte Fotos zum (natürlich) autorisierten Interview-Text veröffentlichen. Das hätte auch für die Filmpartnerin Senta Berger gegolten, die sich beim ca:st-Interview wenige Wochen zuvor in dieser Hinsicht professionell gänzlich undivenhaft verhalten hat.

Jedem Schauspieler sei empfohlen, sich mit den betreuenden Agenturen intensiv darüber auseinander zu setzen, was in seinem Namen geschieht. Denn der Unmut in der Presse über ärgerlichen Autorisierungs-Wahn nimmt massiv zu. Und den Image-Schaden trägt die Schauspielerin oder der Schauspieler sein Berufsleben lang. Auch wenn die betreuenden (Privat- oder Film-)PR-Agenturen längst nicht mehr für (oder gegen) ihn tätig sind.

Thomas Bauer (Chefredakteur ca:st&Co)


Der Text der Neuen Osnabrücker