„Deutschstunde“ und „Dem Horizont so nah“ sind Verfilmungen höchst unterschiedlicher Literatur. Beide versprechen auf ihre Weise (Arthaus und Mainstream) ungewöhnliche Erfolge zu werden.
Ein Interview mit Luise Befort („Der Club der Roten Bänder“, „Wir sind die Welle“/Netflix) zu einem deutschen Film mit amerikanisch großen Gefühlen, der bei der Filmkritik nur mäßig ankam, obwohl er das bedient, was die erfolgreichen US-Liebesfilme ausreizen: den Mut zur Emotion.

Siegfried Lenz, Schuld und Pflicht im Nationalsozialismus sind das Thema in „Deutschstunde“. Erzählt in Rückblenden aus der Zelle einer „Besserungsanstalt“, in der der junge Siggi Jepsen untergebracht ist und sich die Seele leer schreibt, wird das lokale Drama um Pflichbesessenheit und seelischem Missbrauch zwischen drillendem Vater und zur verbotenen Kunst verführenden Patenonkel schmerzhaft aufgerollt. Ein Stoff, den Heide (Drehhbuch) und Christian (Regie) Schwochow mit einen großartigen Ensemble aus der Zeit geholt haben, hat vom Start (3. Oktober) weg die Arthaus-Charts angeführt. Erstaunlich, trotz der Dichte der Erzählung, dass der schwere Stoff so ins Kino lockt. So beeindruckt ich von der Umsetzung im Kino war, so wenig hätte ich an den Kassen-Erfolg geglaubt.
