Der Unterschied ist nicht sehr groß zwischen der Nominierungsprämie für den Deutschen Filmpreis, die Produktions-Lola (250.000 Euro) und dem Produzentenpreis beim Bayerischen Filmpreis: 200.000 Euro für den Preisträger. Und der heißt in diesem Fall Stefan Arndt für X-Filme für „Cloud Atlas“ Damit wurde am heuteigen Freitagabend (19. Janaur 2013) den zweistelligen Millionenbeträgen für diesen „deutschen“ Film mit Tom Hanks, Halle Berry, Susan Sarandon und Hugh Grant noch einmal eine sechsstellige Summe hinterhergeworfen. Der so üppig ausgestatte „Pierrot“, sowie die erwartbare Nominierung für eine Lola, werden es für die Produzenten verschmerzbarer machen, dass die großartige Gemeinschafts-Produktion von Andy und Lana Wachowski und Tom Tykwer an der Kinokasse längst nicht so erfolgreich war wie erhofft. Statt einer Strafzahlung für die Vernachlässigung des Filmstandortes Deutschland und seiner großartigen Talente also noch einmal eine Zuckerlspende für die Kaffeekasse der 100-Millionen-Produktion aus Steuermitteln. Bravo. Hollywood wird weiter grinsen über the „stupid german money“… und die deutschen Schauspieler dürfen sich weiter fragen, warum es auch noch belohnt wird, dass X-Filme die vergisst, die die Firma mit ihrer Darstellung erst zu Ruhm gebracht haben. So schnell kann es gehen vom Newcomer zum Establishment…
Ein Trostpreis ging auch an Sabin Tambrea, 29. Er erhielt den „Pierrot“ als Bester Nachwuchsdarsteller für seine Darstellung des Marchenkönigs „Ludwig II“, einer Produktion, die den Quotienten aus Fördervolumen und Kassengiftfaktor in Rekordimensionen hieven dürfte. Wobei im Gegensatz zum Gesamtwerk die Leistung des bisherigen Theaterschauspieler so unstrittig ist, dass sich vor und hinter den Kulissen die Beteiligten verbal darum prügeln, wer das neue Gesicht für die Rolle entdeckt hat, die Helmut Berger einst mit Visconti für die Kinogeschichte geprägt hat. So souverän hat man wohl selten einen Nachwuchsdarsteller seine Dankesrede halten hören. Die Brücke schlagend von den Sparmaßnahmen bei der Theaterkultur zum Ende des Volkes der Dichter und Denker, wenn Kultur nicht mehr selbstverständlich sei, sondern Luxus. Bittersüßer Halbscherz: Am liebsten würde er seine 10.000 Euro Preisgeld (steuerfrei, wie Staatsminister Martin Zeil, FDP nickend bestätigte) verwenden, um alle Zuschauer ins Kino einzuladen, aber das wäre ja unlauterer Wettbewerb…
Als beste Nachwuchsdarstellerin erhielt Lisa Brand den Pierrot. Sie erhält ihn für die Darstellung des „Verdingkindes“ Berteli in Markus Imbodens „Der Verdingbub“. Angekündigt mit den berührenden Worten eines ehemals echten „Verdingbubs“ (Kinder, die in der Schweiz biss in die 50er-Jahre hinein sklavenartig ausgebautet wurden), sie habe vor dem Dreh konzentriert da gestanden, gehört, was die Regel von ihr sehen wollte, und sich dann so in das geschundene Kind verwandelt, als wäre sie geboren worden, um dieses Kind zu spielen.
Barbara Sukowa erhält gleich zwei Preise: Den für die beste Darstellerin (in der auch nicht gerade gefeierten Produktion „Hannah Arendt“ von Margarete von Trotta) und den Ehrenpreis des Ministerpräsidenten. Da dieser aber verschnupft war, musste auch Barabara Sukowa mit einer Art Trostpreisverleiher vorlieb nehmen, der stellvertretende Ministerpräsident Bayerns, Staatsminister Martin Zeil, FDP durfte den Sonnenkönig bei der Glamourveranstaltung vertreten.
Den Gewinner des VG-Nachwuchsproduzentenpreises kennen ca:stmag-Leser schon aus der aktuellen Ausgabe I/2013 (auch im Downloadcenter) und von castmag.de „Nemez“ von der jungen „filmschaft maas & füllmich“. Ebenfalls bereits dort angekündigt: Beim Publikumspreis siegte erwartungsgemäß, ein Publikumserfolg, der mit Abstand meistgesehene deutsche Kinofilm des vergangenen Jahres, „Türkisch für Anfänger“ mit Josephine Preuss.
Alle Preisträger im Überblick mit den Begründungen der Jury:

