Wedler spricht Fitzek / Strauss

Luna Wedler, das „Schönste Mädchen der Welt“ (2018 im Kino) und regelmäßig in prägnanten, ambitionierten Rollen auf der Leinwand zu sehen („Je suis Karl“, „Sie glauben an Engel, Herr Dvorak?“, „Gnade“), liest den neuesten Fitzek-Roman für Audible. „REM. Schlafen.Träumen.Sterben“, ein lunatischer Albtraum von Horror-Autorin Annika Strauss und Best-Seller Sebastian Fitzek erscheint heute, am 19.03.2026 als Buch und als Hörspiel bei Audible. ca:stmag hat vorab mit ihr über die Arbeit ohne Kamera und mit dem Kollegen Max Schimmelpfennig gesprochen.

Das vollständige Interview erscheint in ca:stmag II/2026

In Deinen Rollen und auch im Gespräch erlebe ich Dich als Mensch mit sehr lebendiger Mimik, Gestik und so weiter. Geht Dir das beim Hörspiel nicht sehr ab? Wenn man plötzlich merkt, oh, man sieht mich ja gar nicht dabei? Also, wie bringe ich das jetzt rüber, was ich ansonsten in den Augen habe?

Nein, eigentlich sogar im Gegenteil. Ich kann da ganz wild agieren und überziehen. Man muss beim Hörspiel etwas übertreiben, damit die Emotion auch ohne Bild rüberkommt. Ich hatte sogar das Glück, dass Max (Schimmelpfennig, Red.) seinen Part bereits eingesprochen hatte. So konnte ich ihn im Ohr haben und darauf reagieren.

 

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Das heißt, hast du Deine Rolle alleine eingesprochen, ihr seid nicht miteinander im Studio gewesen?

Genau. Wir hatten danach einen Social-Media-Pressetag. Da haben wir uns dann endlich gesehen. Es war sehr lustig, denn da durften wir ein, zwei Szenen noch einmal gemeinsam einsprechen. Das macht schon auch Spaß.

Ihr kanntet euch vorher gar nicht?

Wie man sich halt so kennt in Berlin, aber ich habe noch nie mit ihm gespielt. Wir haben uns bei diesem Pressetag eigentlich das erste Mal so richtig kennengelernt und es war von Anfang an sehr lustig. Er ist ein sehr lustiger, der Max.

Ich habe jetzt nicht alles mit Dir gesehen, aber so manches dann doch. „Je suis Karl“ beispielsweise – es geht sehr oft um taffe Themen. Werden gerade an dich so ernsthafte, politische, wichtige Themen herangetragen statt romantischer Erlebnisse an der Küste von Cornwall oder ist das deine Auswahl aus den Angeboten?

Ich habe das Glück – und dafür bin ich auch sehr dankbar –, dass ich die Wahl habe, was nicht selbstverständlich ist. Und ja, ich wähle sehr spezifisch aus, auch politisch sprechen meine Filme für mich, auch die Frauenbilder. Ich bin schon sehr spezifisch, wenn ich Geschichten aussuche. Ich glaube, dass wir mit dem Kino eine Verantwortung haben, aber auch eine Magie. Wir können Empathie schaffen und verbinden. Deshalb schieße ich mich da wahrscheinlich auch auf diese tiefen Themen ein. Die Welt ist brutal aber zugleich auch wunderschön und ich versuche, sehr ehrlich das Leben widerzuspiegeln, sodass man als Zuschauerin oder Zuschauer in sich entweder etwas wieder sieht oder dass man in Verbindung kommt mit anderen Menschen. Das heißt: Ja, ich stürze mich da schon gerne rein. Ich spiele gerne solche Sachen. Das heißt aber nicht, dass ich nicht Bock hätte auf einen leichten Kinofilm, einen Liebesfilm oder eine Komödie, was auch sehr schwierig zu spielen ist und was wir auch brauchen. Ich glaube es ist ein Mix aus meiner Auswahl und den Angeboten, die ich bekomme.

Das klang jetzt, also ob die Rollen, die Du wählst, Dir von der politischen Aussage nicht konträr sind, sondern Du sie auch inhaltlich selber vertreten könntest, wenn es keine Fiction wäre.

Nein! Es geht gar nicht darum, dass ich immer der Meinung meiner Figuren sein muss.

Das wäre genau das Gegenteil davon. Ich möchte Rollen spielen, die jede Seite, jeden Blickwinkel zeigen. Das wäre sonst langweilig. Nein, ich meine das damit, dass ich mit meinen Filmen meine Haltung zeigen möchte, meine Filme sind oft sehr politisch. Von welcher Seite auch immer versuche ich ehrlich zu sein.

Dann werfe ich jetzt mal völlig ungeplant eine Frage zur aktuellen Berlinale-Thematik ein. Hast du dazu eine konkrete Meinung zu der Diskussion um Politik, ob sie nur im Film stattfinden darf oder auch auf dem Podium stattfinden soll? Du weißt sicher, wovon ich spreche.

 Ich das weiß ich genau. Ich habe den großen offenen Brief unterschrieben und dazu stehe ich auch.
(Rund 700 Filmschaffende und Institutionen hatten sich gegen Anfeindungen durch Kulturstaatsminister Weimer hinter Berlinale-Leiterin Tricia Tuttle gestellt und „den Umgang mit künstlerischer Freiheit und institutioneller Unabhängigkeit“ angemahnt. Der offene Brief war auf openletter.earth veröffentlicht worden, ist aber derzeit nicht downloadbar, Red.)

Zurück zum Hörspiel und zur Herangehensweise. Was bist du da für ein Typ und – Doppelfrage – wie unterscheidet es sich beim Erarbeiten deiner Rollen, ob es um ein Hörspiel geht oder einen Film?

Also, worauf ich sicher mehr geachtet habe, ist, dass man natürlich auch gut vorliest. Plus: langsam. Ich bin immer eine schnelle Rednerin, sodass ich mich manchmal bremsen musste. Das Tempo war etwas, was ich mir erarbeiten musste. Und ansonsten lese ich das Buch und versuche mich ranzutasten. „Alysee“ fand ich die total mutig und irgendwie faszinierend; ich wollte mit ihr dieses große Geheimnis des Buchs lüften. Ich finde es extrem spannend, es ist gruselig, es ist erschreckend.
Klar, die Vorbereitung ist anders als wenn ich mich voll in meinen Bereichen als Schauspielerin hingebe. Aber letztendlich ist es eine Rolle, dich sich aber nur über Sprechen und Stimme vermittelt. Ich hoffe, das hat sich übertragen.

Kanntest du die die Bücher von Fitzek, also ist das ein Autor, den du auch vorher schon gelesen hast?

Ich habe zwei Romane von ihm gelesen. Dazu muss ich sagen, ich bin nicht der größte Horror-Fan. Deshalb war für mich vieles Neuland und das hat mich auch gereizt, weil sich mir so eine ganz neue Welt geöffnet hat. Psychothriller finde ich im Film total interessant, auch da habe ich aus dem Genre nur ein paar Bücher gelesen. Aber womit ich mich sehr beschäftigt habe, das sind die Schlafphasen, das Träumen, die REM-Phasen, Schlafparalysen, Luzid-Träume. Was ich spannend finde ist, dass wir eigentlich nichts über das Träumen wissen, dass man das in der Wissenschaft überhaupt nicht erklären kann, was es bedeutet. Ich finde das ist eine extrem spannende Welt. Auch das ist ein Grund, warum ich bei „REM“ mitmachen wollte.

Du hast ja schon mit tollen Leuten gearbeitet mit wirklich großen Namen. Gibt’s irgendwas, wo du sagst, von der, von dem habe ich tatsächlich das und jenes gelernt, mitgenommen?

Was ich nicht mache und wovon ich nicht glaube, dass es gut ist, wäre, dass man sich irgendwas beim Spiel abguckt. Es ist eher so: Wenn ich mich mit jemanden beschäftige und viele Interviews gucke und Berichte lese, dann bekommt man ein bisschen Gespür dafür, wie jemand arbeitet, was ich dann sehr inspirierend finde. Also zum Bespiel ist Jennifer Lawrence jemand, den ich sehr bewundere, weil ich sie auch von der Art einfach sehr authentisch und cool finde. Ich habe jetzt gerade „Die My Love“ gesehen, den ich als großartig und unglaublich guten Film empfinde, inklusive der Themen, die dort verhandelt werden. Sie überrascht mich immer wieder. Oder Jessie Buckley, die einfach unglaublich ist in „Hamnet“ mit ihrer Geschichte. Ich glaube, es ist eher eine Zusammenfassung von vielen Frauen, die mir diesen Drive geben und eine Stärke in mir auslösen.

Neben den Rollen gibt’s ja noch eine zweite Öffentlichkeitsebene, die mit gewissen Erfolgen kommt, das sind die Auszeichnungen, die Filmpreisverleihungen. Bei Dir war es ja schon ziemlich früh, auf der Berlinale 2018, die Auswahl als der deutsche „Shooting Star“. Hattest du den Eindruck, dass das jeweils etwas Positives für die Karriere, für die Präsenz, für die Anfragen bewirkt hat?

Auch das ist eine Kombination aus vielen Sachen, aber ich denke schon, dass ein Preis mehr Aufmerksamkeit bringt. Auf der Berlinale wurden auch dieses Jahr zehn Shooting Stars präsentiert; da bekommt man die Aufmerksamkeit natürlich auch international. Aber davon abgesehen gibt es mir auch eine Anerkennung für meine Arbeit und für das, was ich mache und darauf bin ich auch stolz.
Es tut gut, weil man weiß, was man da alles irgendwie reinsteckt. Seit ich 16 bin, drehe ich eigentlich jedes Jahr. Es ist wie allgemein in dem Beruf eine Kombination aus viel Glück und auch einfach Timing, Talent und harter Arbeit.

Gibt es einen Lieblingsfilm, einen Film, bei dem Du sagen würdest, wenn jemand einen Film mit mir sehen soll, dann diesen?

Die Lena Jakobi, die ich in „Sie glauben an Engel Herr Drowak?“, spielen darf, das ist echt ganz neue Facette. Hoffentlich habe ich sie gemeistert. Mir hat es extrem Spaß gemacht. Das war mal eine ganz Art zu spielen. Die Arbeit war eine Herausforderung, aber die hat mir extrem viel positive Energie und Hoffnung gegeben. Das war eine schöne Figur.

Interview Thomas Bauer