Was macht ein gutes Showreel für Schauspieler aus? | FREE

Oftmals entscheidet ein Showreel darüber, ob ein Schauspieler die Rolle bekommt oder nicht. Umso wichtiger ist es, dass das Band gut zusammengestellt ist. Das ca:stmag hat sich in der Branche bei Casting-Direktoren und Regisseuren umgehört, was ein gutes Showreel ausmacht.

Echte Castings sind heutzutage die Seltenheit. Nur bei größeren Rollen oder bei Konstellations-Castings werden Schauspielerinnen und Schauspieler noch zum Vorsprechen eingeladen. Nebenrollen und Episodenrollen werden meist per Showreel besetzt. Bedeutet also: Die Qualität des Showreels kann darüber entscheiden, ob ein Schauspieler für eine Rolle besetzt wird oder nicht. Dementsprechend wichtig ist es, über die Grundregeln Bescheid zu wissen.

Was ist überhaupt ein Showreel bzw. Demoband?

Ein Showreel ist ein Zusammenschnitt aus den bisherigen Arbeiten eines Schauspielers bzw. einer Schauspielerin. Früher wurden diese noch auf VHS-Kassetten und DVDs überspielt – daher wurde von einem Demoband gesprochen. Dank der Digitalisierung und der Schauspieler-Datenbanken wie etalenta ist das nicht mehr notwendig. Das spart nicht nur Kosten, sondern bietet auch mehr Gestaltungsmöglichkeiten.

Mit der Basismitgliedschaft auf etalenta lässt sich zwar nur ein Showreel über bis zu 20 Minuten hochladen. Wer allerdings eine Fördermitgliedschaft besitzt, die sich auch in einem günstigen Kombi-Angebot mit dem ca:stmag abschließen lässt, kann bis zu zehn verschiedene Showreels online stellen. So lassen sich unterschiedliche Ausschnitte (unterschiedliche Rollenprofile, fremdsprachige Szenen etc.) direkt auswählen.

Wie sollte ein Showreel gestaltet sein, wenn man noch nicht viel gedreht hat?

Gerade Berufseinsteiger stehen oftmals vor einem Problem. Wer bislang kaum gedreht hat oder nur Kleinstrollen spielte, hat kaum Material für das Showreel. Dies muss allerdings nicht zwingend ein Nachteil sein. „Ich finde es immer toll, wenn man aus der Not eine Tugend macht“, sagt der Regisseur Hans Steinbichler („Das Boot“ etc.) im Interview mit ca:stmag – dem Schauspielermagazin.

„Wenn man noch nicht viel Material hat, sollte man selber etwas drehen. Nach meinem Empfinden können Regisseure so etwas auch abstrahieren. Bei selbstgedrehtem Material geht es nicht um die Audiovisualität, sondern darum, ob der Funke überspringt. Teilweise gelingt das sehr gut, daher sollte man das unbedingt probieren. Die visuellen Aspekte sind dabei zu vernachlässigen. Niemand muss bei sich zu Hause Lichter aufbauen, um eine Szene zu drehen. Mir genügt die Qualität eines Handyvideos.“

Sollte ein Showreel ein About Me enthalten?

Die meisten Casting-Direktoren und Regisseure, mit denen wir in den vergangenen Jahren gesprochen haben, stehen einem kurzen About Me sehr offen gegenüber. Gerade für Schauspieler, die bislang wenig gedreht haben, kann ein gutes About Me eine Chance sein.

Der Regisseur Matthias Kiefersauer („München Mord“ etc.) verriet, dass gute About-Me-Videos bei ihm bereits zu Besetzungen geführt haben. „Ein unvergessenes Beispiel ist für mich die Schauspielerin Meike Droste, die mittlerweile eine riesige Nummer ist. Ich kenne sie schon sehr lange, auch als sie noch auf der Otto-Falckenberg-Schule war. Sie hatte damals auch kein Material für ihr Band. Daher hat sie einen Freund gebeten, sie einfach zu filmen. Das hat sie auf eine unheimlich lustige Art und Weise gemacht. Als ich das gesehen habe, wusste ich, dass es filmisch gut mit ihr klappen würde. Daraufhin habe ich sie besetzt. Wir haben zusammen zwei tolle Filme gedreht.“

Lohnt sich ein About Me, wenn man ausreichend viel professionelles Material hat?

Auch Schauspielerinnen und Schauspieler, die bereits ausreichend viel Material haben, könnten von einem About Me profitieren. Die Casting-Direktorin Marion Haack rät dazu „allerdings nur, wenn mir das About Me eine neue Facette zeigt. Wenn mir jemand nur seine Vita heruntererzählt, bringt das nicht viel. Es muss ein bisschen originell sein. Es kam schon öfter vor, dass ich nach einem About Me eine richtige Kehrtwende bei meinen Besetzungsideen gemacht habe, weil jemand plötzlich so unerwartet und erfrischend unterhaltsam rüberkam.“

Kann ein Showreel auch Szenen aus einem Hochschulfilm oder einem selbstgedrehten Film enthalten?

Grundsätzlich ja. Entscheidend ist die Qualität, wie Sebastian Werninger von der UFA Fiction erklärt: „Manche Sachen sind toll und beeindruckend, andere sind eher kontraproduktiv. Wenn die Inhalte zum Beispiel von einer Filmhochschule kommen, ist das von der Fantasie und Gestaltung oftmals sehr gut. Wenn sich jemand aber alleine in einem weißen Raum aufnimmt, muss das Spiel schon außerordentlich gut sein, um einen positiven Eindruck zu hinterlassen.“

Welche Szenen wollen Regisseure auf einem Showreel sehen?

Im Idealfall finden Regisseure und Caster auf dem Showreel Szenen, die zu der jeweiligen Rolle passen. Weil das allerdings nicht immer möglich ist, gibt es auch andere Kriterien. „Welche Szenen für mich relevant sind, hängt auch davon ab, was für ein Genre das ist oder mit welchem Regisseur der jeweilige Film gedreht wurde“, erklärt Kiefersauer. „Es gibt Kollegen, bei denen ich weiß, dass sie bei der Schauspielführung einen ähnlichen Ansatz haben. Solche Szenen sind sehr wertvoll für mich, weil ich dadurch erahnen kann, in welche Richtung sich die Zusammenarbeit auch mit mir entwickeln würde.“

Welche Szenen eignen sich für ein Showreel nicht?

Bei Szenen für ein Showreel sollte der jeweilige Schauspieler bzw. die Schauspielerin im Mittelpunkt stehen. Massenszenen sind daher meist ungeeignet. Die Casting-Direktorin Nathalie Mischel rät: „Wichtig ist, dass die Showreels aussagekräftig sind und ich in der Szene sofort sehe, um wen es geht. Wenn beispielsweise viele Menschen gleichzeitig im Bild sind, bleibt es unklar oder die falsche Person bleibt im Gedächtnis hängen. Das ist für die Schauspielerin oder den Schauspieler eher kontraproduktiv, weshalb sie bei der Auswahl und Reihenfolge ihres Videomaterials sehr aufmerksam sein sollten.“

Die Redaktion vom ca:stmag spricht regelmäßig mit Casting-Direktoren, Regisseuren und Produzenten darüber, was ein gutes Showreel, eine gute Bewerbung oder ein gutes Casting ausmacht. Das Magazin ist ausschließlich per Abo erhältlich, auch in einem Kombi-Angebot mit einer Fördermitgliedschaft bei etalenta. Hier eine Übersicht über die verschiedenen Abo-Pakete.