Es ist ja eigentlich absurd: Dominik Graf ist aktuell im Kino mit einem Werk, das so verzaubernd und in seinem klassischen Umfeld modern ist, dass es als deutscher Kandidat für den „Auslands-Oscar“ entsendet wird, „Die geliebten Schwestern“. An dem Abend, an dem sein Dokumentarfilm „Es werde Stadt! 50 Jahre Grimme Preis in Marl“ in Köln mit dem Preis der Deutschen Akademie für Fernsehen ausgezeichnet wird, stellt er seine Hommage an die Liebe der Schwestern in Landsberg im Kino vor und schwärmt vom „alchimistischen Prozess“ der Besetzung. Es ist der Regisseur, der die mit Abstand meistzitierte Serie gedreht hat, wenn es darum geht, zu belegen, dass es auch aus Deutschland Fernsehen auf internationalem Niveau gibt, „Im Angesicht des Verbrechens“ – aber so richtig geehrt wird der produktive Kreative nicht vom deutschen Fernsehen: Als die Quoten nicht das Niveau von Nonnen- und Krankenhausserien erreichten, versendete man die letzten Teile der „Qualitätsserie“ im Nachtprogramm.
Und als er nun gemeinsam mit Autor Sathyan Ramesh mitten in die allgemeine Suche nach tragfähigen Serienstoffen hinein ein Konzept in einem anderen speziellen, lokalen Milieu anbietet, da lehnt die ARD-Gemeinschaftsredaktion fürs Erste ab. Aber der BR, in dessen Sendegebiet nicht nur Graf selbst lebt, sondern auch „die Reichen“ von Starnberg, greift das Konzept für einen 90-Minüter auf.

Und so kommt es, dass „Die reichen Leichen“, am 18. Oktober im Regionalprogramm des Bayerischen Rundfunks zu sehen ist. Immerhin um 20.15 Uhr – einen Tag bevor im Ersten dann zu gleicher Zeit ein Brandt-Polizeiruf aus Grafs Hand zu sehen ist („Smoke on the water“). Ein Stoff, der deutlich düsterer daherkommt als die skurrile Geschichte um den zum zweiten Mal im Starnberger See ertrunkenen „Kini“ (für Nicht-Bayern: der Neuschwanstein-Märchenkönig Ludwig) und die Entführung der (großindustriell statt kaiserlich) liebreizenden „Sisi“ – irgendwie auch ein Krimi. Aber mehr noch ein Kuriositätenkabinett, das auch den Norddeutschen amüsieren dürfte. Mit einer gewohnt großartigen Besetzung von An Dorthe Braker (Interview mit Hannes Jaenicke in ca:stmag IV/2014) und einer Überraschung in einer sonst undankbaren Rolle: Die Polizistin in Uniform. Annina Hellenthal (Link) spielt den unbayerischen Fremdkörper (ein eigentlich allzu altbekanntes Motiv) so liebenswert unaufgeregt mit einer selbstverständlichen Präsenz, dass man geradezu beglückt ist, sie (nach Leichterem im ZDF) in dieser angemessen ernsthaften Rolle zu sehen. Manchmal dauert es eben, bis das passende Projekt da ist. Mit Autor Sathyan Ramesh, der sie Graf vor Jahren vorstellte, hat sie schon seit 2008 in kleineren Produktionen gearbeitet. Dank der bemerkenswerten Polizeimeisteranwärterin „Ariane Fink“ bei Dominik Graf und inzwischen zwei Produktionen mit Torsten C. Fischer dürfte sie den größten Schritt ins Branchenlicht wohl geschafft haben.
Ein Doppelinterview mit der zuständigen BR-Redakteurin Dr. Stephanie Heckner („Wenn man Dominik Graf als Regisseur hat, dann kann man sich darauf verlassen, was die Besetzung betrifft – der Film wird immer davon profitieren.“ ) und der Produzentin Kirsten Hager (Hager und Moss Film) steht für Abonnenten vorab zum Download:

