Petzold hat seinen eigenen Bären

Wie nach den überraschend einmütig positiven Kritiken fast schon zu erwarten hat Christian Petzold mit seiner dritten Wettbewerbs-Einladung „Barbara“ nun auch seinen eigenen silbernen Bären für die Beste Regie erhalten (2007 hatte Nina Hoss bereits einen silbernen Bären für ihre Darstellung in Christan Petzolds „Yella“ erhalten). Der Film mit ebenso starken Momenten wie (angesichts der Klasse) abenteuerlicher Anschluss-Macken spielt vorgergründig in der DDR der Achtzigerjahre, in der die Ärztin „Barbara“ (Nina Hoss) nach einem Ausreiseantrag erst Haft dann Verbannung von der Charité in die spitzelverseuchte Provinz erleidet. Davon losgelöst kann man ihn aber auch als Drama um Abhängigkeiten und die Kraft des freien Wilens betrachten. Wichtigster Wende-Satz, gesprochen von ihrem reich-naiven West-Lover (Mark Waschke): Wenn sie erst mal im Westen sei, könne sie immer ausschlafen, denn sie brauche ja nicht mehr arbeiten, „ich verdiene genug für uns beide.“ Das ist der Moment, in dem man in Nina Hoss Gesicht (99 Prozent des Film mit Merkelmundwinkeln…) die schauspielerische Klasse erkennt, die wortlos erzählt, dass dieser antiemazipatorische Satz den Unterschied zwischen gut und gut gemeint ausmacht. Ein einziger Minidialog, der in ihr die Erkenntnis aufblitzen lässt, das dies nicht das gelobte Land ist, von dem sie träumt und mehr über das Verhältnis von West und Ost aussagt als mancher gut gemeinte Film.

Über die nationale Begeisterung zu diesem Preis des erklärtermaßen politischen Festivals nicht zu vergessen: der Goldene Bär für den besten Film ging in diesem Jahr an die Taviani-Brüder für „Cesar must die“, gedreht in einem römischen Gefängnis. An diesem „Originalschauplatz“ begleiteten Paolo und Vittorio Taviani die Proben der (über)engagierten Laiendarsteller zu einer Gefängnis-Aufführung von Shakespeares „Julius Cäsar“. Diesen Bären darf man getrost auch als eine Art Lebenswerk-Auszeichung sehen, die Brüder („Padre Padrone“) sind schließlich beide bereits Anfang Achtzig.

Alle Preisträger 2012 im Überblick:

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