„Oh Boy“ räumt die Lolas ab

Oh Boy… damit hätten die Macher wohl kaum gerechnet: Der ganz große Gewinner der Deutschen Filmpreises 2013 heißt: „Oh Boy“. Der Low-Budget-Film ließ dem Nominierungskönig „Cloud Atlas“ zwar die naheliegenden Kategorien wie „Bestes Kostümbild“, Bestes Maskenbild“ (siehe dazu auch die aktuelle ca:stmag-Ausgabe II/2013) und „Bester Schnitt“ sowie „Beste Kamera/Bildgestaltung“. Mangels deutscher Beteiligung am Cast konnte er hier ja selbstverschuldet nicht punkten. Dass aber beide männlichen Schauspielerkategorien an „Oh Boy“ gingen war schon eine kleine Überraschung. Tom Schilling als bester Hauptdarsteller lag angesichts seines überfälligen Durchbruchs nahe. Aber auch sein Spielpartner Michael Gwisdek überzeugte durch so zurück genommenes Spiel, dass er er sich im ersten familien-internen Duell gegen seinen eigenen Sohn durchsetzte – weil er auf Robert Gwisdeks kleine Schauspiellehre gehört habe, mal nichts zu machen, sondern die Worte zu verstehen und ihnen zu glauben, wie er gewohnt launig zum besten gab.


Damit noch keineswegs genug vereinte „Oh Boy“ auch die Königskategorien auf sich: „Bestes Drehbuch“, „Beste Regie“, außerdem „Beste Filmmusik“ und – ein Tusch! – „Bester Film“.

„Cloud Atlas“ musste sich mit der (allerdings auch schon 250.000 Euro werten) Nominierung begnügen. Die drei Lolas für die besten Filme gingen in aufsteigender Folge an „Lore“ “ (siehe dazu auch die aktuelle ca:stmag-Ausgabe II/2013), „Hannah Arendt“ und eben „Oh Boy“. Die 500.000 Euro Preisgeld (zu investieren in die nächste Produktion) sind fast das Doppelte dessen, was das kleine Schwarzweiß-Meisterwerk dank der Selbstausbeutung der überwiegend jungen Beteiligten gekostet hatte.

„Hannah Arendt“ war damit neben „Oh Boy“ der zweite Gewinner des Abends – Hauptdarstellerin Barbara Sukowa gewann ebenfalls eine Lola, Christine Schorn die Lola für die beste Darstellung in einer Nebenrolle.

Sehr gut getan hat der gesamten Veranstaltung, dass sie unter der künstlerischen Leitung von Fred Kogel auf neue Beine gestellt wurde. Mit klaren Reminiszenzen an die Show-Erotik der 60er- und 70er-Jahre punktete die Gala aus dem Friedrichstadt-Palast endlich mit einer Moderation, der das selbstreferentielle eines Bully Herbig oder einer Barbara Schöneberger gänzlich fehlten. Die Österreicherin Mirjam Weichselbraun führte charmant dezent durch den unterhaltsamen Abend. Alle Nominierten und Preisträger auf einen Blick (die jeweiligen Gewinner in Rot):

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