Edit:
Die ausführlche Antwort des BFFS auf das Schreiben ist unten angefügt.
Der Schauspieler und Synchronschauspieler Frank Röth (Foto André Röhner) wendet sich mit einen deutlichen Apell an die GVL, die ein „Nothilfe“ von ernsthaft 250 Euro für Berechtigte beschlossen hat – während zugleich Lizenzerlöse seit teilweise 2010 noch immer nicht zur Auszahlung gelangen – Gelder die die Notlage bei vielen tatsächlich verringern könnten. Wir veröffentlichen den u.a. auf facebook bereits vielfach geteilten Brief unbearbeitet:
Offener Brief an die GVL und die Berufsverbände – und die Antwort des BFFS
Edit:
Die ausführlche Antwort des BFFS auf das Schreiben ist unten angefügt.
Der Schauspieler und Synchronschauspieler Frank Röth (Foto André Röhner) wendet sich mit einen deutlichen Apell an die GVL, die ein „Nothilfe“ von ernsthaft 250 Euro für Berechtigte beschlossen hat – während zugleich Lizenzerlöse seit teilweise 2010 noch immer nicht zur Auszahlung gelangen – Gelder die die Notlage bei vielen tatsächlich verringern könnten. Wir veröffentlichen den u.a. auf facebook bereits vielfach geteilten Brief unbearbeitet:
„Liebe Kollegen, liebe Freunde, liebe Infizierte und nicht Infizierte,
in Bayern werden bis (voraussichtlich) 19.04. keine Dreharbeiten mehr genehmigt. In Berlin hat heute (18.03) das erste Synchronstudio auf unbestimmte Zeit seine Tore geschlossen.
Die Maßnahmen in Zusammenhang mit der Corona-Krise werden einer Vielzahl von uns schweren wirtschaftlichen Schaden zufügen. Man muß kein Prophet sein , um vorherzusagen, dass am Ende (?) der Krise viele von uns vor dem Ruin, bzw. vor den Trümmern ihres beruflichen Lebens stehen werden.
Die Bundesregierung verspricht großzügige Hilfen, die aber bei vielen von uns gar nicht greifen werden; wir unterschreiben Petitionen bis hin zu einer -wenigstens temporären -Einführung des begingungslosen Grundeinkommens , usw. usw…
All das wird aber die finanzielle Not, die schon in den nächsten Wochen um sich greifen wird – bei einigen geht es um die nackte Existenz – nicht lindern.
In diesem Zusammenhang hat die GVL am 16.03.20 eine sogenannte „Nothilfe für Berechtigte“ beschlossen. Gegen Antragsstellung kann man eine einmalige (!) Hilfe von EURO 250,- bekommen.
Dies zeigt vor allen Dingen :
*wie wenig man in der Geschäftsführung der GVL offensichtlich über unser berufliches Leben weiß
*wie wenig das offenbar die GVL interessiert
*und wieviel wir der GVL in dieser Notlage „wert“ sind.
Ich halte dieses Angebot in der gegenwärtigen Situation für geradezu zynisch, ja menschenverachtend !
Die GVL könnte sehr vielen von uns ganz schnell und wirksam helfen, wenn sie endlich die seit Jahren zurückgehaltenen Lizenzerlöse ausschütten würde. Viele von uns könnten damit zumindest ein paar Wochen oder sogar mehr Zeit überbrücken.
Die GVL sitzt seit Langem auf einem hohen dreistelligen Millionenbetrag , der uns Künstlern zusteht und längst hätte ausgeschüttet werden müssen – für die Jahre 2013 und 2014 stehen uns spätestens seit Ende letzten Jahres Schlussauschüttungen zu, für die Jahre 2015-2019 relevante Abschlagszahlungen.
Stattdessen werden wir wie beim Wurst- (oder Tofu-) Schnappen mit immer wieder neuen und nicht eingelösten Terminen hingehalten oder mit unbedeutenden Abschlagszahlungen ruhig gestellt.
Die Ausschüttung der Nachzahlung der ZPÜ-Gelder von 2010 (!) war für Anfang 2020 versprochen, wir haben heute Mitte März und nichts ist gekommen.
Die Schlussausschüttungen für 2013 und 2014 sind nach mehrfachen Terminverschiebungen für Mitte diesen Jahres angekündigt. Aber spätestens jetzt, mit der Corona-Krise und den damit verbundenen Personalproblemen wird auch dieser Termin Makulatur sein.
Wir müssen unsere ureigene Interessenvertretung , den BFFS, endlich in die Pflicht nehmen. Er muss als-mittlerweile Mitgesellschafter der GVL- unverzüglich dafür sorgen, dass die GVL auschüttet. Und zwar zeitnah und mit belastbaren Beträgen.
Wir leben in einer Ausnahmesituatuion.
Klaglos nehmen wir massive Eingriffe in unserer Grundrechte, unsere persönliche Freiheit und Freizügigkeit hin. Dieser Ausnahmesituation kann und darf sich auch die GVL nicht entziehen.
Es kann und darf nicht sein, dass sich die GVL jetzt wieder auf ungelöste Probleme mit der EDV, Personalknappheit oder der Tatache, dass die ein oder andere Meldung noch nicht verifiziert wurde, herausredet und eine Ausschüttung verweigert.
Sollte wirklich jemand übervorteilt worden sein, kann dies bei den Ausschüttungen der nächsten Jahre problemlos verrechnet werden.
Niemand ist geholfen, wenn die GVL erst in ein paar Monaten oder noch später ausschüttet und die Gelder dann nahtlos ans Finanzamt oder Gläubiger wandern, weil etliche von uns mittlerweile in der Privatinsolvenz stecken.
Wir müssen Druck aufbauen und wir dürfen die GVL und den BFFS sich nicht aus ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stehlen lassen. Nicht in dieser Situation !!!
Ich bin weder bei Facebook und auch nicht bei Instagram. Trotzdem: Verbreitet bitte mein Statement, und auch wenn Ihr nicht meiner Meinung seid, lasst uns darüber diskutieren, schaffen wir wenigstens eine Debatte über dieses Anliegen. Eine Debatte, wie sie leider über die Maßnahmen in Zusammenhang mit Corona nicht (mehr) stattfindet.
Herzlichst!
Frank Röth
Die Antwort des BFFS:
Lieber Frank,
Deine Wut und Deinen Frust, der aus Deinem offenen Brief herauszulesen ist, kann ich gut verstehen. Und ich glaube, wie Dir geht es auch anderen. Darum möchte ich Dir – wir haben ja schon miteinander telefoniert – zusätzlich in einem Offenen Brief antworten.
Diese über uns alle hereingebrochene Corona-Krise droht unseren Schauspieler*innen, mir nichts dir nichts für die nächsten Wochen und Monate den Boden ihrer wirtschaftlichen Existenz unter den Füßen wegzuziehen. Das trifft alle ins Mark und Bein. Das Gebot der sozialen Abstinenz, das es als einziges Mittel gegen diese Viruspandemie nun dringend zu beachten gilt, hat zur Folge, dass gerade für unsere Künstler*innen nichts mehr geht.
Theater geschlossen, Studios zu, Drehs abgesagt. Die Aussicht der nächsten Monate: Keine Engagements, keine Drehs, keine Synchrontermine.
Diese Krise durchzustehen, dazu bedarf es in den nächsten Wochen unserer kollegialen Solidarität, gegenseitiger Hilfe und Unterstützung.
Es bedarf aber auch der Achtsamkeit!!
Achtsam müssen wir im zwischenmenschlichen Umgang sein. So dürfen wir uns nicht verleiten lassen, die Schuld für diese Krise bei denen zu suchen, die diese Not nicht verschuldet haben, die uns vielmehr in diesen schweren Zeiten helfen wollen und Solidarität zeigen.
Ich finde, die GVL hat ein großartiges Zeichen der Solidarität gesetzt!
Sie wird aus ihrem gesonderten Sozialfond schnell und unkompliziert ein erstes Hilfsgeld in Höhe von 250,00 Euro an freiberufliche Schauspieler*innen zahlen, denen durch den Shutdown nun Aufträge weggebrochen sind.
Diese Zahlungen erfolgen zusätzlich neben den Auszahlungen, die den Berechtigten zustehen, nicht zuletzt auf Wunsch und Betreiben des BFFS und auch in dem Bewusstsein, dass auszahlungsberechtigte Schauspieler*innen wegen noch zu lösender IT-Probleme auf ihr Geld warten müssen.
Dieses starke Zeichen der Solidarität rechne ich unserer Verwertungsgesellschaft GVL hoch an.
Nun zu den verzögerten Auszahlungen, über die Du in Deinem Brief Deinen Ärger auslässt:
Wenn Du ausführst, die GVL könne die Verzögerung nicht mehr damit begründen, dass es Probleme mit der EDV gäbe, dann liegst Du falsch.
Sie muss es genau damit begründen, denn das ist die Wahrheit.
Grund für die – zugegeben – ärgerlichen Verzögerungen und Verschiebungen einiger Verteilungen sind die hochkomplexen Anforderungen, die an die IT-Programmierung für eine Verteilung nach Recht und Gesetz auf der Grundlage der Verteilungspläne gestellt sind. Hier sind in der Vergangenheit Probleme aufgetreten, deren Lösung sich das GVL-Team mit hoher Professionalität und Zuverlässigkeit widmet.
Einige Komplikationen im IT-Ablauf sind allerdings auch schon erfolgreich gelöst worden. Und so hat die GVL seit der Systemumstellung auf eine nutzungsbasierte Vergütung bereits erhebliche Summen an ihre Künstler*innen / Berechtigten ausgekehrt:
Über die Schlussverteilungen der Jahre 2010 bis 2012 einen Gesamtbetrag in Höhe von 177 Mio. Euro.
Aus dem Verhandlungserfolg der Smartphone- und Tablet-Vergütung für die Jahre 2008 und 2009 einen weiteren Betrag in Höhe von 23 Mio. Euro.
Und schließlich aus Folgeverteilungen der Jahre 2013 bis 2018 ein Betrag in Höhe von 178 Mio. Euro.
2018 hat die GVL insgesamt 287.288.000 Euro ausgeschüttet.
2019 beliefen sich die Auszahlungen auf ca. 187.000.000 Euro.
Es kann also nicht die Rede davon sein, dass „die GVL auf dem Geld sitzt“.
Auf Betreiben des BFFS wird derzeit bei der GVL die Möglichkeiten geprüft, ob und in welcher Höhe Abschläge bis Ende April auf ausstehende Ausschüttungen vorgenommen werden können. Das wäre kompliziert, aber einen Versuch wert. Daneben ist für Mai eine weitere Ausschüttung zu erwarten.
Ich finde, auch das ist ein starkes Zeichen der GVL und ein tolles Bemühen des BFFS, der im Übrigen für die Verteilung der Gelder keine Verantwortung übernehmen kann, selbst wenn er wollte.
Die Verantwortung trägt eine hochkompetente und hochprofessionell agierende Geschäftsführung der GVL, die mein vollstes Vertrauen hat. Ich weiß wovon ich rede, denn seit sechs Monaten sitze ich als Vertreter des BFFS in der Gesellschafterversammlung und im Finanzausschuss der GVL.
Dein Vorwurf, der BFFS würde sich aus der Verantwortung stehlen, ist für mich nicht nachvollziehbar, ich empfinde ihn als unangebracht.
Seit der Berliner Kultursenator Lederer die Schließung der Berliner Kulturbetriebe in der vergangenen Woche angeordnet hat, arbeiten die ehrenamtlich Tätigen des BFFS und die BFFS-Mitarbeiter*innen mit Hochdruck daran, um im Bereich Bühne, Film / Fernsehen und Synchron Lösungen zu erreichen. Sie kämpfen also an vier Fronten gleichzeitig. Sie sind im ständigen Austausch mit dem Deutschen Bühnenverein, mit der Produzentenallianz, mit diversen Synchronfirmen und mit den verantwortlichen Regierungsstellen im Bund wie in den Ländern, um für unsere Schauspieler*innen Hilfs-, Entschädigungs- und Überbrückungsgelder durchzusetzen. Das hat alles absolute Priorität und kann unter www.bffs.de mitverfolgt werden. Der BFFS übernimmt hier also Verantwortung und setzt durch das großartige ehrenamtliche Engagement von vielen Kolleg*innen ein ganz starkes Zeichen von Solidarität.
Bleibe gesund, pass‘ auf Dich auf, wir bauen auf Deine Unterstützung.
Mit herzlichen Grüßen
Bernhard F. Störkmann
geschäftsführender Justiziar, Rechtsanwalt

