Jasmin Tabatabai zählt zu den renommiertesten Schauspielerinnen Deutschlands. Sie ist nicht nur vor der Kamera und auf der Bühne aktiv, sondern auch am Mikrofon. Mit „DIE TOTEN VON NORDEN“ nahm sie an der ersten improvisierten deutsche Audible-Produktion in Form eines fiktionalen True-Crime-Podcasts teil. Die sechsteilige Serie startet am 27. März 2025. Hier der Link zur Serie.
Unter der Regie der mehrfach ausgezeichneten Niederländer Tom Hofland und Pascal van Hulst sowie Ilona Toller sind neben Tabatabai auch der Schauspieler und Diversity-Coach Murali Perumal sowie Brigitte Zeh, Julia Riedler und André Lewski zu hören.

Inhalt: Britta Jung (Brigitte Zeh) ist Chefredakteurin des „Friesenboten“ und eine erfahrene Kriminalreporterin mit über 25 Jahren Berufserfahrung. Von allen Fällen, über die sie berichtete, hat nur einer ihre Karriere wirklich geprägt: der unaufgeklärte Mord an der 26-jährigen Rechtsanwaltsgehilfin Hanna Richter. Die ganze Wahrheit kam nie ans Licht. Bis jetzt. Fünf Jahre nach Hannas Verschwinden hat Britta Jung mithilfe zweier Podcast-Produzenten vielleicht endlich die Chance, den brisanten Fall aufzuklären. Sie spricht mit einer Überlebenden (Julia Riedler), dem Bruder der Toten (André Lewski), der Kriminalbeamtin (Jasmin Tabatabai) und dem forensischen Psychologen (Murali Perumal) von damals. Sie alle schildern die Ereignisse aus ihrer Sicht. DIE TOTEN VON NORDEN ist eine Geschichte voller schockierender Wendungen.
Im Interview verrät Tabatabai, wie ein improvisiertes Hörspiel entsteht.
Frau Tabatabai, Sie haben schon ein paar Hörspiele in Ihrer Vita stehen. „Die Toten von Norden“ ist die erste improvisierte deutsche Audible-Produktion in Form eines fiktionalen True-Crime-Podcasts. Wie hat die Arbeit ausgesehen?
Wir hatten ein Team von drei Regisseuren, die mit uns interagiert haben. Die Geschichte handelt davon, dass Interviews für einen True Crime Podcast aufgenommen werden. Vorher wurde mir gesagt, ich müsse kein Skript lernen. Aber aufgrund meiner Erfahrung wusste ich, dass man bei einer Improvisation noch viel besser vorbereitet sein muss, weil man nicht auf ein geschriebenes Skript zurückgreifen kann. Daher war meine Vorbereitung sehr umfangreich. Das hat allerdings auch sehr viel Spaß gemacht, weil ich viele Freiheiten hatte. Ich konnte mir die komplette Hintergrundgeschichte meiner Figur bis hin zur Kindheit ausdenken. Das habe ich sogar alles per Hand aufgeschrieben. Ich musste meine Rolle und vor allem den Fall wirklich in- und auswendig kennen, weil sich die Geschichte über drei Jahrzehnte erstreckt. Ich musste ganz genau wissen, wann was passiert ist. Vor allem weil meine Figur am Anfang noch nicht weiß, dass sie es mit einem Serientäter zu tun hat.
Können Sie uns konkret beschreiben, wie die Aufnahmen für den True-Crime-Podcast abgelaufen sind?
Ich kam gut vorbereitet dorthin und habe mir gemeinsam mit den Regisseuren zunächst einmal die Originalschauplätze angesehen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie rau die Natur dort in den Dünen ist. Die Vorstellung, dass du dort bei Regen und Hagel vor einem Mörder weggerannt bist, vielleicht auch mit den Händen auf dem Rücken gefesselt warst, fühlt sich viel intensiver an, als wenn du das lediglich in einem Buch liest. Dann sind wir gemeinsam in das Häuschen gefahren, wo der Podcast aufgenommen wird. Dazu wurde ein Studio in einem Wohnzimmer aufgebaut. Wir haben meinen Part in einem Durchlauf über sechs Stunden aufgenommen. Ich war in einem Kreuzverhör und habe die Fragen beantwortet.
Die Schauspieler erhielten lediglich eine Beschreibung ihrer Figur, die die Grundzüge der Geschichte beschreibt, aber kein Drehbuch. Wie ausführlich waren diese Beschreibungen?
Die Beschreibungen waren sehr kurzgehalten. Es waren wirklich nur biografische Notizen. Zudem gab es ein Treatment, in dem die wesentlichen Handlungen standen. Aber all die Gedanken, Emotionen und Motivationen mussten wir selber aus der Improvisation heraus liefern. Das Spannendste ist oft, was die Figur nicht sagt – ganz speziell in einem Podcast-Interview. Vielleicht hat die Figur Geheimnisse, die auf keinen Fall in der Öffentlichkeit bekannt werden sollen. Das macht die Arbeit so spannend. Ich schreibe mir zum Beispiel immer den inneren Monolog für meine Rollen auf, sodass ich weiß, was meine Figur in den jeweiligen Situationen empfindet. Was geht in meiner Figur vor, wenn die andere Person etwas sagt oder macht?
Grundsätzlich gilt, dass viele Schauspieler vor der Kamera und am Theater unterschiedliche Techniken anwenden. Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit für ein Hörspiel davon?
Der Kern sollte immer die Wahrhaftigkeit sein – ob nun beim Theater, im Film oder bei einem Hörspiel. Das Hörspiel ist mit der Aufnahme am Mikrofon ein bisschen vergleichbar mit dem Spiel vor der Kamera. Das Ohr, das dich erhört, ist sehr nahe an dir dran. Das heißt, dass du die Wahrhaftigkeit, die du hoffentlich in dir herstellst und spürst, etwas intimer spielst und nicht so laut herausschreist wie auf der Bühne. Aber noch einmal: Der Kern ist der gleiche. Eine wahrhaftige Darstellung am Theater ist genauso echt wie beim Film.
Ein ausführliches Interview mit Jasmin Tabatabai ist demnächst im ca:stmag zu lesen. Darin verrät sie unter anderem, wie sie sich auf eine Rolle vorbereitet.

