Mit der Verleihung des Goldenen Bären, der höchsten und aufmerksamkeitsstärksten Auszeichnung der Berlinale an „There is no Evil“(„Es gibt kein Böses“) lenkte die Jury den Blick auch auf die Entstehungsbedingungen des iranischen Films und das Ausreiseverbot gegen den Regisseur Mohammad Rasoulof (Foto Cosmopol Film). Nun haben die iranischen Behörden eine Haftanordnung erlassen. Die Berlinale-Leitung reagiert bestürzt und protestiert, zahlreiche Institutionen veröffentlichen gemeinsam einen „dringenden Aufruf“.
Goldener Bärendienst?
Mit der Verleihung des Goldenen Bären, der höchsten und aufmerksamkeitsstärksten Auszeichnung der Berlinale an „There is no Evil“(„Es gibt kein Böses“) lenkte die Jury den Blick auch auf die Entstehungsbedingungen des iranischen Films und das Ausreiseverbot gegen den Regisseur Mohammad Rasoulof (Foto Cosmopol Film). Nun haben die iranischen Behörden eine Haftanordnung erlassen. Die Berlinale-Leitung reagiert bestürzt und protestiert, zahlreiche Institutionen veröffentlichen gemeinsam einen „dringenden Aufruf“.
Pressemitteilung der Berlinale vom 9. März 2020:
„Die Internationalen Filmfestspiele Berlin haben mit Bestürzung von der Haftanordnung der iranischen Behörden gegen den renommierten Regisseur Mohammad Rasoulof erfahren. Rasoulofs Film There is no Evil wurde am 29. Februar mit dem Goldenen Bären als Bester Film der Berlinale 2020 ausgezeichnet.
In seinen Filmen setzt sich Mohammad Rasoulof mit der sozialen Situation in seinem Heimatland auseinander. Rasoulof wurde 2019 aufgrund seiner Filme wegen „Propaganda gegen das System“ zu einer Haftstrafe von einem Jahr und einem zweijährigen Berufsverbot verurteilt. Außerdem darf er den Iran nicht verlassen. Daher konnte er den Goldenen Bären der Berlinale auch nicht persönlich entgegennehmen. Die Haftstrafe war bislang nicht vollstreckt worden. Am 4. März wurde Mohammad Rasoulof vom zuständigen Richter in Teheran aufgefordert, die Haft anzutreten.
Die Berlinale setzt sich grundsätzlich für die Meinungsfreiheit und Freiheit der Kunst ein. Daher protestiert das Festival gegen die Haftstrafe gegen den Regisseur.
„Wir sind besorgt über die Haftanordnung gegen Mohammad Rasoulof. Es ist erschütternd, dass ein Regisseur so hart für seine künstlerische Arbeit bestraft wird,“ sagt das Leitungsduo der Berlinale, Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian. „Wir hoffen, dass die iranischen Behörden das Urteil revidieren.““
Mehrere Instititutionen (Die Europäische Filmakademie, das Festival de Cannes, die Deutsche Filmakademie, die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, das Filmfest Hamburg, das IDFA – International Documentary Film Festival Amsterdam, das Internationale Filmfestival Rotterdam (IFFR), der Netherlands Film Fund und die Accademia del cinema italiano – Premi David di Donatello) bringen ihre tiefe Besorgnis in einem dringenden Aufruf zum Ausdruck und veröffentlichen dazu unter anderem ein Statement des iranischen Regisseurs, der auch Covid-19 als zusätzliche Bedrohung thematisiert sowie ein Statement von Wim Wenders, des Päsidenten der Europäischen Filmakademie:
„Die Einberufung zur Verbüßung meiner Haftstrafe offenbart nur einen kleinen Teil der Intoleranz und Wut, die für die Reaktion des iranischen Regimes auf Kritik charakteristisch sind. Viele Kulturaktivisten sind im Gefängnis, weil sie die Regierung kritisiert haben. Die weit verbreitete und unkontrollierte Ausbreitung des Covid-19-Virus in iranischen Gefängnissen gefährdet ernsthaft ihr Leben. Diese Bedingungen erfordern eine sofortige Reaktion der internationalen Gemeinschaft.“ Mohammad Rasoulof
„Unser Kollege Mohammad Rasoulof ist ein Künstler, der uns immer wieder von einer Realität erzählt, von der wir sonst nur wenig wissen. Sein mit dem Goldenen Bären ausgezeichneter Film ES GIBT KEIN BÖSES ist ein zutiefst humanes Porträt von Menschen in extremen Situationen – Situationen, die kein Mensch erleben sollte. Wir brauchen Stimmen wie die von Mohammad Rasoulof, Stimmen, die die Menschenrechte, die Freiheit und die Würde verteidigen.“ Wim Wenders, Präsident der Europäischen Filmakademie

