Robert De Niro zählt seit Mitte der 1970er Jahre zu den angesehensten Charakterdarstellern von Hollywood. Im Jahre 1975 gewann er den Oscar als bester Nebendarsteller in „Der Pate – Teil II“, 1981 den Oscar als bester Hauptdarsteller in „Wie ein wilder Stier“. Mehrere Generationen von Schauspielern haben sich an ihm orientiert. Noch heute, im Alter von 79 Jahren, inspiriert er mit seiner Spielweise viele junge Darsteller. Zuletzt war er unter anderem in der Netflix-Produktion „The Irishman“ zu sehen, der als bester Film für den Oscar nominiert wurde.
Doch was ist der Grund für seinen Erfolg? De Niro gab über die Jahre immer wieder Ratschläge von sich, die für herangehende Künstler von Bedeutung sein können.
„Viele junge Schauspieler haben die Idee: ‚Ich muss das richtig machen. Es gibt einen richtigen Weg, dies zu tun‘. Aber es gibt kein richtig oder falsch. Es gibt nur gut oder schlecht“, sagte De Niro einmal. „Und schlecht wird es normalerweise dann, wenn man zu sehr versucht, es richtig zu machen. Es gibt ein sehr breites Spektrum an Dingen, die dich hemmen können. Das Wichtigste für Schauspieler – und nicht nur für Schauspieler, sondern für alle – ist, sich locker genug zu fühlen, um das zu schaffen, was man erschaffen möchte, und um frei zu sein, alles auszuprobieren. Dann hat man die Wahl, wie man es wirklich machen möchte.“
De Niro verließ im Alter von 16 Jahren die Schule, um sich als Schauspieler zu versuchen. Er tourte zunächst durch die Südstaaten, stand auf verschiedenen Bühnen und spielte unter anderem auch am Dinner-Theater. Parallel dazu nahm er Schauspiel-Unterricht, unter anderem bei der legendären Schauspiellehrerin Stella Adler, die auch andere Hollywood-Ikonen wie Marlon Brando, Harvey Keitel oder Martin Sheen ausgebildet hat. Sein Filmdebüt gab er 1963, im Alter von 20 Jahren, in einer Nebenrolle der Low-Budget-Produktion „The Wedding Party“.
De Niro weiß aus eigener Erfahrung, wie beschwerlich die Anfangszeit als junger Schauspieler sein kann. „Ich sage jungen Schauspielern, dass sie einfach dranbleiben und sich nicht entmutigen lassen sollen“, rät er. „Wenn du zu Vorsprechen und solchen Dingen gehst, musst du dein Bestes geben und einfach deinen Instinkten folgen, damit du frei bist. Und sie sollten davon ausgehen, dass sie die Rolle eh nicht bekommen werden, damit sie das mit der richtigen Einstellung angehen und es nicht auf Teufel kommt raus erzwingen wollen. Ich denke, das hilft sehr.“
Rückblickend sei die beschwerliche Phase seiner Karriere wichtig für seine weitere Entwicklung gewesen. „Ich denke, es ist wichtig, zumindest ein paar Jahre der Dunkelheit gehabt zu haben, in denen die Leute dich wie jeden anderen behandeln“, sagt er. Gleichwohl sollte man sich nicht von seinem Weg abbringen lassen, denn: „Das Traurigste im Leben ist verschwendetes Talent.“
Wenn man eine Rolle ergattert hat, dürfe man sich laut De Niro durch Nichts und niemand von der Arbeit ablenken lassen: „Wenn man einen Film macht, sollte jeder seine persönlichen Probleme zu Hause lassen. Wenn sie anfangen, diese mit zum Set zu bringen, kann das Filmen sehr schwierig sein. Sie brauchen kein zusätzliches Drama. Bringen sie das Drama lieber in die Geschichte und in die Charaktere ein.“
Zudem sagt De Niro zu seiner Herangehensweise: „Bei der Schauspielerei versuche ich immer, zu dem zurückzukehren, was tatsächlich die reale Situation wäre, das wirkliche menschliche Verhalten im Leben.“ Dabei sollte man nicht nur am Text kleben. „Du brauchst keine Worte, um Gefühle auszudrücken“, sagt De Niro.
Gerne lässt er sich von Ratschlägen anderer inspirieren, ohne diesen allerdings blind zu folgen. „Ich persönlich versuche immer zuzuhören, weil ich dadurch vielleicht neue Aspekte hinzubekomme. Es ist wichtig, allen zuzuhören, so vielen Menschen wie möglich, und ihren Input zu erhalten. Aber dann musst du schließlich deine eigene Entscheidung darüber treffen, was du tun wirst, und das war’s. Das ist es, was du fühlst und das war’s. Das ist das Wichtigste, denke ich – wirklich das Wichtigste. Denn hier kommt die Einzigartigkeit ins Spiel. Weil du es bist. Du hast es erschaffen. Es gehört nicht irgendjemand anderem. Es ist deine Entscheidung.“


