UPDATE 29.10.2020:
„Und morgen die ganze Welt“ ist der deutsche Oscar-Vorschlag. Heute kommt er für vier Tage in die Kinos, bevor die Kultur abgewürgt wird. REINGEHEN!
Zehn Deutsche Filme stehen auf der langen Oscar-Liste möglicher Nominierungen als deutscher Vorschlag für den besten Internationalen Film. (Foto Alamodefilm)
Die zehn möglichen deutschen Oscar-Kandidaten
UPDATE 29.10.2020:
„Und morgen die ganze Welt“ ist der deutsche Oscar-Vorschlag. Heute kommt er für vier Tage in die Kinos, bevor die Kultur abgewürgt wird. REINGEHEN!
Zehn Deutsche Filme stehen auf der langen Oscar-Liste möglicher Nominierungen als deutscher Vorschlag für den besten Internationalen Film. (Foto Alamodefilm)
Ganz selten passiert es, dass ein Film eine so nachhaltige Wirkung hinterlässt, dass einem bei der Erinnerung an einzelne Szenen, Blicke, noch Wochen, fast Monate nach der Presssevorführung ein Schauer über den Rücken läuft. Noch stärker vielleicht als direkt nach dem Film.
Philipp Bovermann hat für die Süddeutsche Zeitung einen Text über den frisch vornominierten Oscar-Kandidaten (es ist aus den unten aufgeführten zehn Kandidaten der Vorschlag Deutschlands für den „Besten Film International“) geschrieben der, ebenso selten, den Sog des Films mit einer adäquaten Sprache nachempfindet. (Link zur SZ-Kritik hier.)
Wer in den spärlichen vier Tagen, die der Film vor dem neuerlichen Kultur-Killer-Beschluss im Kino laufen kann (ab heute, Donnerstag, 29.10.2020 bis zum Wochenende, Restart soll dann nach der Kinosperre am 3. Dezember sein…) eine Chance hat, der möge sich in diese Geschichte um Ideale, Moral und Grenzüberschreitungen hineineinbegeben, die zeitlos zwischen den Jahrzehnten schwebt und zugleich historisch und hochaktuell ist.
Wenn „Und morgen die ganze Welt“ es auf die Shortlist für die Oscars schafft, dann haben Regisseurin Julia von Heinz sowie ihr großartiges Schauspiel-Alter-Ego Mala Emde Chancen, die Trophäe wieder nach Deutschland zu holen.
Was bei den „Oscars“, also den Auszeichungen der „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“ in der Vergangenheit der „beste fremdsprachige Film war“, heißt seit 2020 und so auch bei der 93. Verleihung im April 2021 – wie auch immer diese aussehen wird – „Bester Film International“.
Ob überhaupt ein deutscher Film auf die „Shortlist“oder gar unter die Nominierungen kommt, das entscheidet sich den nächsten Stufen. Zunächst stehen zehn höchst unterschiedliche Deutsche Filme auf der Liste von „German Films“, aus der der deutsche Vorschlag ermittelt wird.





Eine leibhaftige Oscar-Gewinnerin („Nirgendwo in Afrika“, 2003) ist mit ihrer Verfilmung von „Als Hitler das rosa
Kaninchen stahl“ erneut im Rennen, Caroline Link. Eine weitere, vielfach ausgezeichnete Literaturverfilmung im Rennen ist die Burhan Qurbanis „Berlin Alexanderplatz“.
Die groteske Geschichte „Curveball“ von Johannes Naber um den falschen „Zeugen“ für angebliche Biowaffenherstellung im Irak ist ebenso politische Geschichtsbewältigung wie Dror Zahavi „Crescendo – #makemusicotwar“ um Jugendliche aus Israel und Palästina, die gemeinsam in Südtirol musizieren wollen und „Ein nasser Hund“ von Damir Lukacevic, der die Geschichte eines Schülers erzählt, der mit seinen Eltern aus dem Iran nach Berlin kommt, sich in ein türkisches Mädchen verliebt und der muslimischen Community schließlich offenbart, dass er kein Muslim ist, sondern Jude.
Deutlich leichter daher kommt Philipp Stölzls Musical „Ich war noch niemals in New York“, animiert ist die „Wendewunderschichte „Fritzi“, sehr an der deutschen Filmgeschichte hängt Oskar Roehlers wildes Faßbinder-Biopic „Enfant Terrible“.
Beste Chancen für die Nominierung durch die deutschen Verbände Ende Oktober haben wohl zwei Festival-Beiträge, die eher die ästhetisch-märchenhafte Umsetzung des alten „Undine“ Stoffes durch Christian Petzold und vor allem „Und morgen die ganze Welt“, jene unfassbar aktuelle Geschichte um das linke Ringen um Gewalt und friedlichem Protest im Widerstand gegen Neo-nationalistische Gefahren, die fiktionalisiert auf den Antifa-Erfahrungen der Autorin und Regisseurin Julian von Heinz in den 90ern basiert – und unfassbar zwischen den Jahrzehnten schwebt. (Fotos: Verleih)

