Der Schauspieler Johannes Hegemann schlüpft in dem Film „Olivia“ (13. Mai 2026, 20.15 Uhr im ZDF, ab dem 5. Mai in der ZDF Mediathek) in die Rolle von Travestie-Künstlerin Olivia Jones. Im Interview mit dem ca:stmag verrät der 29-Jährige, wie er das Casting für diese außergewöhnliche Rolle anging, wie seine Karriere am Theater begann und welche Vorsprechrolle er meist wählte.
Herr Hegemann, die Rolle von Olivia Jones ist sehr herausfordernd und benötigt eine gewisse Vorbereitungszeit. Wie lief das Casting für diesen Film ab?
Die erste Anfrage kam als eCasting für ein Selftape. Darin war bereits eine Szene enthalten, in der klar beschrieben wird, dass Olivia in Drag auftritt – aus ihren ganz frühen Zeiten. Es war eine Szene, in der sie sich als Travestie-Künstlerin vorstellt und rausgeworfen wird. Ich war damals gerade im Urlaub in Italien, zusammen mit einem Freund. Wir hatten nichts dabei – keinen Lippenstift, keine Ohrringe, gar nichts. Mir war aber klar, dass ich nicht einfach nur so spielen kann, irgendetwas musste ich machen. Also bin ich in der Kleinstadt, in der wir waren, in ein Geschäft gegangen und habe Wimperntusche, Lippenstift, Puder und Lidschatten gekauft. Die Verkäuferin dachte die ganze Zeit, ich kaufe das für meine Freundin, und hat alles wahnsinnig schön verpackt. Das war natürlich völlig unnötig, weil ich die Tüte direkt wieder aufgerissen habe, um mein Selftape zu drehen. Ich habe mich dann ein bisschen geschminkt und die Szene so gespielt. Für die Live-Runde bin ich schließlich im Kleid, mit hohen Schuhen und Ohrringen erschienen. Das hatte ich mir für das Casting ausgeliehen.

Johannes Hegemann als Olivia Jones (ZDF und Bjørn Haneld)
Für ein eCasting hat man meist nicht viel Zeit. Wie haben Sie sich inhaltlich vorbereitet? Haben Sie sich viele Videos von Olivia Jones angeschaut?
Ja, aber ich habe es zunächst reduziert betrachtet. Mir war klar, dass ich den Tonfall nicht innerhalb eines Tages perfekt treffen kann. Also habe ich mir ein paar Dinge angeschaut – Gestik, Haltung und solche Aspekte. Gleichzeitig habe ich mich aber vor allem darauf konzentriert, die emotionale Bandbreite zu zeigen. Es gab neben der Drag-Szene auch eine Szene mit der Mutter aus der Anfangszeit. Da war mein Ansatz, zu zeigen, dass ich diese Emotionen spielen kann. Am Anfang ging es noch nicht darum, Olivia Jones perfekt und wiedererkennbar zu imitieren. Das braucht deutlich mehr Vorbereitung.
Wie war die Zusammenarbeit mit Olivia Jones selbst, nachdem Sie die Rolle bekommen hatten?
Das war sehr schön. Nachdem ich die Zugabe bekam, habe ich mich mit ihr – beziehungsweise mit Oliver – getroffen. Wir haben etwa eine Stunde lang über alles gesprochen. Ich konnte alles fragen. Es war ein sehr offenes, zugängliches Gespräch. Das hat mir geholfen, ihn auch als Mensch kennenzulernen und nicht nur als öffentliche Figur. Gleichzeitig habe ich mir immer wieder bewusst gemacht, dass ich eine deutlich jüngere Version spiele als die Olivia Jones, die man heute kennt. Sie hat einen langen Weg hinter sich, mit vielen Veränderungen – auch optisch und in ihrer Performance. Das hat mir gewisse Freiheiten gegeben.
Oliver bzw. Olivia sieht seine Zukunft nicht in einem normalen Beruf, möchte auf die Bühne, bekommt aber viele Absagen. Es gibt somit gewisse Parallelen zu vielen Schauspielern. Hat Ihnen das bei der Rollenarbeit geholfen?
Ja und nein. Natürlich gibt es Parallelen: mit Absagen umzugehen, dran zu bleiben, zu zweifeln, sich zu fragen, ob man diesen Weg weitergehen soll. Das kennen viele Menschen in künstlerischen Berufen. Aber der Weg von Olivia ist ungleich intensiver und von viel härteren Rückschlägen geprägt als meiner. Ich würde meinen eigenen Weg niemals als Vergleichsmaßstab nehmen für das, was sie erlebt hat. Das ist deutlich dramatischer.
Demnächst gibt es im ca:stmag ein ausführliches Interview mit Johannes Hegemann zu lesen. Dabei verrät er unter anderem, wie er im Ensemble vom Thalia Theater unterkam und warum diese Zeit unerwartet endete.

