Casting-Direktoren fordern mehr Anerkennung und bessere Bezahlung

Die Casting-Direktorinnen Karimah El-Giamal, Stephanie Maile und Deborah Congia gehören dem Bundesverband Casting (BVC) an und setzen sich dafür ein, dass ihre Arbeit mehr Anerkennung bekommt und auch besser bezahlt wird. Dafür wurde die Initiative #werhatsgecastet eingeführt. In einer Interviewrunde der Fachzeitschrift „Blickpunkt Film“ haben sich die Casting-Direktorinnen dazu geäußert.

Laut El-Giamal geht es bei der Initiative #werhatsgecastet darum, „bei Posts und Berichten auf Social Media, in denen der Casting Director übergangen wird, in den Kommentarspalten darauf hinzuweisen.“ Maile ergänzt: „Das ist eine galante Art und Weise, um darauf hinzuweisen, wenn das Casting mal wieder vergessen wurde. Ohne einen Namen nennen zu müssen… Fehlt der Casting-Hinweis, kommt der Hashtag drunter.“

Congia kritisiert, dass die Leistungen von Casting-Direktoren oft nicht wertgeschätzt werden: „Fast jeder Casting Director hat schon einmal die Erfahrung gemacht, dass er bei einer Premiere im Kino sitzt und am Ende des Films, wenn das Team vorgestellt und auf die Bühne gebeten wird, vergessen wird.“

El-Giamal bemängelt zudem die Honorare für Casting-Direktoren, „die sich seit Jahrzehnten nicht verändert haben und in den von Auftraggeberseite kalkulierten Budgets nicht angepasst werden. Gemessen an dem, was andere Heads bekommen, stehen wir da in keinem guten Verhältnis. International wird das anders gehandhabt und entsprechend honoriert. Deshalb sind auch viele von uns im Bundesverband Casting organisiert, um für unsere kleine Berufsgruppe etwas zu bewegen. Im Vergleich zu anderen Filmschaffenden machen wir im Jahr eine sehr große Anzahl von Projekten, zum Großteil parallel, weil wir nicht ausreichend bezahlt werden.“

Fiction- und Serien-Boom: „Wir haben die Möglichkeit, mehr zu besetzen“

Grundsätzlich allerdings gäbe es auch positive Entwicklungen in der Branche. Der Fiction- und Serien-Boom, der nicht zuletzt durch die Streamer ausgelöst wurde, hat zu einer steigenden Anzahl an Produktionen geführt. Dadurch könnten auch unbekanntere Gesichter teilweise größere Rollen ergattern. „Ich würde schon sagen, dass wir die Möglichkeit haben, mehr Schauspieler:innen zu besetzten, die noch nicht bekannt sind, aber sie müssen auch gut sein“, erklärt Maile.

El-Giamal sieht genau darin den Sinn ihrer Tätigkeit: „Einen Cast der üblichen Verdächtigen können Produktionen selbst organisieren. Uns braucht man, um die Ideen, die vielleicht schon in den Köpfen sind, zu bereichern. Mein Ziel ist immer, möglichst unbekannt zu besetzen. Ich bin keine Redakteurin, es mag schon so sein, dass prominente Besetzungen, einen Einschaltimpuls auslösen, aber ich würde mir wünschen, dass man Vorgaben von Prominenz nicht mehr erfüllen muss.“