Casterin Nathalie Mischel: „Nicht immer bekommt das beste e-Casting die Rolle“

Nathalie Mischel arbeitet als Casting-Direktorin für den Hessischen Rundfunk und besetzt unter anderem den Tatort aus Wiesbaden und Frankfurt am Main. Bevor sie in ihrem heutigen Beruf landete, war sie für eine Event- und PR-Agentur tätig. Danach durchlief sie verschiedene Stationen beim HR, ehe sie sich auf den Bereich Casting spezialisierte.

Die Casting-Direktorin hat unsere sechs Kurzfragen beantwortet. Ein weiteres Interview, in dem sie unter anderem über den Casting-Prozess beim Tatort berichtet, ist demnächst im ca:stmag zu lesen.

Das war die für mich persönlich wichtigste Produktion…

Schwer zu sagen. Eine meiner ersten Besetzungen war unser fargoesker „Tatort: Falscher Hase“ mit Emily Atef als Regisseurin. Das war eine besonders schöne Zusammenarbeit und das Ensemble, das wir gemeinsam zusammengestellt haben, gehört nach wie vor zu meinen Lieblings-Ensembles. Für die Hauptrolle Biggi hatten wir 4 Schauspielerinnen zu einem Konstellations-Casting mit Peter Trabner eingeladen. Katharina Marie Schubert konnte kurzfristig nicht kommen und Emily Atef ging nach den Castings auf Kinotour. Da wir die Entscheidung nicht treffen wollten, ohne Katharina gesehen zu haben, planten wir ein 2. Casting zwei Monate später mit ihr und sie wurde unsere Biggi.

Die Besetzung der Tatorte mit Ulrich Tukur und Barbara Philipp ist immer wieder eine besondere Herausforderung, da die Tatorte so vielfältig sind uns sich immer wieder neu erfinden. Eine besondere Produktion war auch der „Tatort: Erbarmen. Zu spät.“. Regisseur und Drehbuchautor Bastian Günther hat einen sehr feinen Blick für Schauspieler und Charaktere und wir konnten bei diesem Film viele SchauspielerInnen vom Schauspiel Frankfurt besetzen. Außerdem schreibt er unglaubliche Dialoge.

Das macht mich als Casting-Direktorin aus…

Dass ich nicht aufgebe – und zwar sowohl bei der Suche nach den richtigen Schauspielern wie auch beim Argumentieren, wenn ich von einem Schauspieler überzeugt bin.

Das macht unsere Arbeit so schwer…

Schwer ist für mich nicht das richtige Wort. Die Herausforderung meiner Arbeit ist, dass ich mit Künstlern arbeite – und zwar in meinem Fall mit Regisseuren. Gemeinsam muss man immer wieder neu erarbeiten, wer die richtigen Schauspieler für die Figuren sind und verstehen, welche Besetzung die Regie benötigt, um mit gutem Gefühl mit ihr einen großartigen Film zu realisieren.

Das macht unsere Arbeit so befriedigend…

Es ist ein sehr kreativer Prozess, der mit dem Drehbuchlesen beginnt. Es macht super viel Spaß, sich in die Figuren hineinzudenken und zu überlegen, wer sie füllen könnte. Das Schönste ist, wenn man dann später den Film oder die Serie sieht und feststellt, dass das Ensemble miteinander harmoniert.

Das war meine schönste Entdeckung …

Das erste About Me von Felix Kammerer, weil er darin keine Angst hatte zu zeigen, wer er ist.

Diesen Tipp möchte ich SchauspielerInnen gerne geben…

Nicht immer bekommt das beste e-Casting die Rolle, aber immer der oder die richtige für die Figur, für die man sich letztendlich entscheidet. Das kann für SchauspielerInnen frustrierend sein, aber sie können sicher sein, dass ihr e-Casting von Casterin, Regie, Redaktion und/oder Produktion gesehen wurde. Sie sind die Auswahl aus einer Vielzahl an SchauspielerInnen und das sollten sie als gutes Gefühl für sich mitnehmen, auch wenn es mit der Rolle nicht geklappt hat. Und ich als Casterin habe bei der nächsten Rolle aktuelles Material, das ich zeigen kann, was eine 2. Chance für ein Rollenangebot ist.