Beim Filmpreis nichts Neues

Es könnte ein langweiliger Abend werden… Es geht schneller, aufzuzählen, in welchen Kategorien „Im Westen nichts Neues“ nicht für eine Lola nominiert ist: Für den Ehrenpreis (Volker Schlöndorf), als Kinderfilm, als Dokumentarfilm, als besucherstärkster Kinofilm, für die weiblichen Rollen und fürs Drehbuch. Ansonsten haben die Vorjurys die Acadamy-Jury getoppt: Ein Dutzend Nominierungen entfallen allein auf den Netflix-Film. Und es hat eine gewisse Tradition, dass bei der Gala auch eine entsprechende Häufung von Preisen auf ein Werk stattfindet. Daran werden wahrscheinlich auch „Holy Spider“, „Sonne und Beton“ und „Das Lehrerzimmer“ kaum etwas zu ändern vermögen. 
Felix Kammerer as Paul Bäumer and Albrecht Schuch as Stanislaus Katczinsky in All Quiet on the Western Front, Courtesy of Netflix © 2023
Auch Tradition ist leider das traurige Missverhältnis der Preisgelder für die persönlichen Einzelkategorien gegenüber der Produzentenförderung: Nicht einmal fünf Prozent der knapp drei Millionen Preisgelder entfallen auf sämtliche 14 Einzelkategorien von Schauspiel über Regie bis Szenenbild. Jeder einzelne der sechs nominierten Spielfilme – also auch die drei, die ohne Lola „leer“ ausgehen! – erhält 110.000 Euro mehr Preisgeld (250.000 Euro) als alle 14 mit goldener Lola ausgezeichneten Einzelkünstler/Gewerke zusammen (14×10.000 = 140.000 Euro). Die eher elitär geprägte Vorgängerin hatte das nicht interessiert, es wäre nicht verwunderlich, wenn die Verbindung zur Basis bei Kulturstaatsministerin Claudia Roth mittelfristig für ein Umdenken bei dieser historischen Schieflage sorgt; sie nimmt sich ja ohnehin der Reform der Filmförderung an. (Um die es sich de facto bei dieser Verteilung der Preisgelder an Produzenten auch handelt.)

Zu den Nominierungen 2023, die offizielle Pressemitteilung: Kulturstaatsministerin Claudia Roth gibt Nominierungen zum Deutschen Filmpreis 2023 bekannt.

Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Claudia Roth, hat heute im Kino International in Berlin gemeinsam mit dem Präsidentschaftsduo der Deutschen Filmakademie, Alexandra Maria Lara und Florian Gallenberger, die Nominierungen für den Deutschen Filmpreis 2023 in 17 Preiskategorien bekannt gegeben.

Der Deutsche Filmpreis 2023 ist mit Preisgeldern von insgesamt rund drei Millionen Euro aus dem Bundesetat für Kultur und Medien dotiert. Der Preis wird nach der Wahl durch die Mitglieder der Deutschen Filmakademie von Kulturstaatsministerin Roth verliehen.

Die heutigen Nominierungen sind in den jeweiligen Filmkategorien mit folgenden Preisgeldern verbunden:

Sechs Spielfilme à 250.000 Euro
Zwei Kinderfilme à 125.000 Euro
Drei Dokumentarfilme à 100.000 Euro

Nominiert für den Deutschen Filmpreis 2023 sind:

Für die Preiskategorien des Deutschen Filmpreises 2023 sind
nominiert:
BESTER SPIELFILM

Holy Spider
Produktion: Sol Bondy, Jacob Jarek · One Two Films, Profile Pictures
Regie: Ali Abbasi · Buch: Ali Abbasi, Afshin Kamran Bahrami

Im Westen nichts Neues
Produktion: Malte Grunert · Amusement Park Films
Regie: Edward Berger · Buch: Edward Berger, Ian Stokell, Lesley
Paterson

Das Lehrerzimmer
Produktion: Ingo Fliess · if… Productions
Regie: Ilker Çatak · Buch: Johannes Duncker, Ilker Çatak

Rheingold
Produktion: Fatih Akin, Nurhan Şekerci-Porst, Herman Weigel ·
bombero international, Warner Bros. Film Productions Germany,
Palosanto Films, Lemming Film
Regie & Buch: Fatih Akin

Sonne und Beton
Produktion: Fabian Gasmia, David Wnendt · Seven Elephants Regie:
David Wnendt · Buch: David Wnendt, Felix Lobrecht

Wann wird es endlich so, wie es nie war
Produktion: Janine Jackowski, Jonas Dornbach, Maren Ade ·
Komplizen Film, Warner Bros. Entertainment Regie: Sonja Heiss ·
Buch: Sonja Heiss, Lars Hubrich


BESTER DOKUMENTARFILM

Elfriede Jelinek – Die Sprache von der Leine lassen
Produktion: Martina Haubrich, Claudia Wohlgenannt · CALA
Filmproduktion, Plan C Film Regie: Claudia Müller

Kalle Kosmonaut
Produktion: Tine Kugler, Günther Kurth · KMOTO Medienproduktion
Regie: Tine Kugler, Günther Kurth

Liebe, D-Mark und Tod – Aşk, Mark ve Ölüm
Produktion: Claus Reichel, Mehmet Akif Büyükatalay, Florian Schewe,
Stefan Kauertz · filmfaust, Film Five Regie: Cem Kaya


BESTER KINDERFILM

Mission Ulja Funk
Produktion: Roshanak Behesht Nedjad · In Good company Regie &
Buch: Barbara Kronenberg

Der Räuber Hotzenplotz
Produktion: Jakob Claussen, Uli Putz · Claussen+Putz Filmproduktion,
Zodiac Pictures, Studiocanal Film Regie: Michael Krummenacher ·
Buch: Matthias Pacht

BESTE REGIE

Ali Abbasi · Holy Spider
Edward Berger · Im Westen nichts Neues
Ilker Çatak · Das Lehrerzimmer
Sonja Heiss · Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war


BESTES DREHBUCH

Jan Braren, Marc Blöbaum, Kilian Riedhof · Meinen Hass bekommt ihr
nicht
Johannes Duncker, Ilker Çatak · Das Lehrerzimmer
David Wnendt, Felix Lobrecht · Sonne und Beton


BESTE WEIBLICHE HAUPTROLLE

Zar Amir Ebrahimi · Holy Spider
Leonie Benesch · Das Lehrerzimmer
Sandra Hüller · Sisi & Ich


BESTE WEIBLICHE NEBENROLLE

Ulrike Kriener · Einfach mal was Schönes
Hildegard Schmahl · Mittagsstunde
Jördis Triebel · In einem Land, das es nicht mehr gibt

BESTE MÄNNLICHE HAUPTROLLE

Mehdi Bajestani · Holy Spider
Charly Hübner · Mittagsstunde
Felix Kammerer · Im Westen nichts Neues


BESTE MÄNNLICHE NEBENROLLE

Karl Markovics · Was man von hier aus sehen kann
Clemens Schick · Servus Papa, See you in Hell
Albrecht Schuch · Im Westen nichts Neues

BESTE KAMERA/BILDGESTALTUNG

James Friend · Im Westen nichts Neues
Judith Kaufmann · Das Lehrerzimmer
Thomas W. Kiennast · Sisi & Ich

BESTER SCHNITT

Mechthild Barth · Elfriede Jelinek – Die Sprache von der Leine lassen
Sven Budelmann · Im Westen nichts Neues
Gesa Jäger · Das Lehrerzimmer
Andreas Wodraschke · Sonne und Beton

BESTES SZENENBILD

Christian M. Goldbeck · Im Westen nichts Neues
Josefine Lindner, Max-Josef Schönborn · The Ordinaries Sebastian
Soukup · Der vermessene Mensch

BESTES KOSTÜMBILD

Lisy Christl · Im Westen nichts Neues
Tanja Hausner · Sisi & Ich
Regina Tiedeken · In einem Land, das es nicht mehr gibt

BESTES MASKENBILD

Julia Böhm, Friederike Schäfer ∙ Seneca Heike Merker · Im Westen
nichts Neues
Annett Schulze, Dorit Jur, Ines Ransch · In einem Land, das es nicht
mehr gibt

BESTE FILMMUSIK

Volker Bertelmann · Im Westen nichts Neues
Marvin Miller · Das Lehrerzimmer
The Notwist · Wir sind dann wohl die Angehörigen
Ralf Wengenmayr · Tausend Zeilen

BESTE TONGESTALTUNG

Frank Kruse, Markus Stemler, Viktor Prášil, Lars Ginzel, Alexander
Buck · Im Westen nichts Neues
Paul Rischer, Jan Petzold · Sonne und Beton
Marco Teufen, Paul Rischer, Gregor Bonse · Sisi & Ich

BESTE VISUELLE EFFEKTE

Johannes Blech · The Ordinaries
Frank Petzold, Viktor Müller · Im Westen nichts Neues
Dennis Rettkowski, Tomer Eshed, Markus Frank · Die Schule der
magischen Tiere 2

Folgende Preisträgerinnen und Preisträger des Deutschen
Filmpreises 2023 stehen bereits fest:

EHRENPREIS DES DEUTSCHEN FILMPREISES

Volker Schlöndorff

BESUCHERSTÄRKSTER FILM

Die Schule der magischen Tiere 2 · Sven Unterwaldt · Alexandra
Kordes, Meike Kordes (Kordes & Kordes Film Süd)

Der Deutsche Filmpreis, die LOLA, ist die renommierteste und
höchstdotierte Auszeichnung für den deutschen Film. Bei den
Nominierungen haben die Mitglieder der Filmakademie in ihrer
jeweiligen Sektion abgestimmt.

Der 73. Deutsche Filmpreis wird auf einer festlichen Gala am
12. Mai 2023 im Theater am Potsdamer Platz (Berlinale Palast)
verliehen und am selben Abend zeitversetzt im Ersten ausgestrahlt.

Die Verleihung des Deutschen Filmpreises ist eine Veranstaltung der
Deutschen Filmakademie in Zusammenarbeit mit der Beauftragten
der Bundesregierung für Kultur und Medien, produziert von der DFA
Produktion GmbH.