
Nachtrag zur Meldung vom 20.September (unten): Die Süddeutsche Zeitung legt in der Angelegenheit nach und berichtet, dass HW Jurgans Vorgehensweise und die rechtliche Bindung der von ihm geschlossenen Verträge nun auch extern geprüft werden und berichtet von Produzenten, die aufgrund der bis 2013 verplanten Etats auf 2014 vertröstet werden. Zum SZ-Bericht vom 22. September 2011 hier (Link).
Der Zusammenhang von zwei Meldungen ist unübersehbar:
Heute berichtet die Süddeutsche Zeitung, dass sich Hans-Wolfgang Jurgan, einer der beiden Geschäftsführer der ARD-Lizenz- und Produktionstochter Degeto intern verantworten muss, weil er weit überdurchschnittlich viele Produktionsaufträge erteilt habe, bevor seine (de facto vorgesetzte) hochrangige Kollegin Bettina Reitz (castmag-Meldung „Bettina Reitz übernehmen Sie!“ vom April 2010, Link) an die Spitze der Degeto gewechselt war (siehe unten). Bis dahin gab es eine unausgesprochene Zweiteilung der Degeto-Produktionen: Jörn Klamroth, der inzwischen leider verstorbene Programm-Macher war bei der Degeto mit seiner Mannschaft für den Anspruch zuständig, Hans-Wolfgang Jurgan für das Melodram, das auffällig oft bei den gleichen Produktionsfirmen bestellt wurde und sehr häufig vom gleichen Personal auch vor der Kamera gespielt wurde. An Drehorten in aller Welt, an denen Hans-Wolfgang Jurgan offenbar zu auffällig häufig persönlich nach dem Rechten gesehen hat, während sich im Büro die Akten stapelten, wie inzwischen auch die Süddeutsche Zeitung berichtet. Zunächst ließ die neue Chefin (offenbar gekommen, nicht nur um zu bleiben, sondern auch um aufzuräumen) inhaltliche Differenzen duchblicken (siehe auch die castmag-Meldung vom 5. September 2011, „Bettina Reitz watscht HW Jurgan ab“, Link) , nun geht es ans Eingemachte.
Die zweite Meldung macht die Dimension und die Auswirkungen der zu prüfenden Eigenmächtigkeiten deutlich. Die Aufträge für Eigenproduktionen müssen wohl zulasten der vorbestellten Jurgan-Genre-Stücke zurückgefahren werden, weil das Gesamtbudget dafür nicht mehr ausreicht. Sprich, weniger Arbeit für alle jenseits des Jurgan-Personals vor und hinter der Kamera! Die Pressemitteilung der ARD im Wortlaut:
„Die ARD Degeto hat in den Jahren 2010 und 2011 ihr Engagement sowohl im Lizenzerwerb als auch in der Produktion intensiviert. Sie verfügt aktuell dadurch über ein Programmvorratsvolumen für die Jahre 2012 und 2013, das angesichts perspektivisch verringerter finanzieller Rahmenvorgaben und der Übernahme zusätzlicher Aufgaben zunächst im Programm ausgestrahlt werden soll. Aus dem erhöhten Programmvorratsvolumen für die Jahre 2012 und 2013 ergibt sich zwangsläufig eine Reduktion neuer Lizenzkäufe und Produktionsaufträge. Die Geschäftsführung der ARD Degeto bedauert, dass die Produzenten in naher Zukunft mit einem Produktionsrückgang rechnen müssen. Ab 2014 hofft man auf einen Anstieg der Produktionsaufträge. Die ARD Degeto bittet um Verständnis, dass sie im sorgsamen Umgang mit Gebührengeldern verpflichtet ist, zunächst vorrangig ihren Programmvorrat einzubringen, bevor wieder verstärkt Aufträge in den Markt vergeben werden können.“
Während sich die Branche bisher aus Sorge um eigene Aufträge nur hinter vorgehaltener Hand über Jurgans Vergabepraxis unterhielt, (da aber um so lauter und hämischer, siehe

