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Bundessozialgericht: ZAV muss Absolventen in Kartei aufnehmen

Nachtrag 13.10.2017:

Die Entscheidung ist letzinstanzlich, auf Rückfrage der Redaktion hat das Bundessozialgericht einige Punkte konkretisiert, siehe unten!

Das Bundessozialgericht hat heute, 12. Oktober 2017, ein so deutlich kaum erwartbares Urteil gefällt. Geklagt hatte eine Absolventin der Filmschauspielschule Berlin, weil sich die ZAV (mit individueller Begründung) geweigert hatte, sie in die Vermittlungskartei aufzunehmen. Ihre Klage hatte in den Vorinstanzen nicht zur gewünschten Gleichstellung aller Schauspielschul-/Hochschul-Absolventen geführt. Das Gericht urteilte nun, dass eine Aufnahme ohne Ermessensspielraum zu erfolgten hat, wenn die Ausbildung derjenigen an einer staatlichen Schule gleichwertig ist, was bei der Filmschauspielschule der Fall sei. Diese Feststellung trifft ggf. das Gericht.

Die Mitteilung des Bundesspzialgerichts im Worlaut:

Die Bundesagentur für Arbeit muss Schauspieler in die bei der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) geführte Vermittlungskartei aufnehmen. Dies hat der 11. Senat des Bundessozialgerichts am 12. Oktober 2017 (Aktenzeichen B 11 AL 24/16 R) entschieden. Das bisherige Verfahren, wonach Schauspieler, die keinen Abschluss an einer staatlichen Schauspielschule vorweisen können, nur dann in die Vermittlungskartei für Schauspieler aufgenommen worden sind, wenn sie einen Eingangstest bei der ZAV erfolgreich durchlaufen haben, ist danach rechtswidrig.

Die klagende Schauspielerin ist nach erfolgreich abgelegter Abschlussprüfung an der privaten Filmschauspielschule Berlin berechtigt, die Berufsbezeichnung Schauspielerin zu führen. Sie hatte sich um Aufnahme in die Schauspielerkartei der ZAV beworben und hierfür vor deren Prüfungsgremium vorgesprochen. Dieses hatte jedoch beschlossen, sie nicht in die Kartei aufzunehmen. Die dagegen erhobene Klage ist in den Vorinstanzen erfolglos geblieben.

Die Revision der Klägerin war erfolgreich. Der Anspruch auf Aufnahme in die Schauspielerkartei ergibt sich aus § 35 SGB III, weil die Voraussetzungen einer Ermessensreduzierung auf Null vorliegen. Mit dem aus dieser Vorschrift folgenden Auftrag der Arbeits- und Ausbildungsvermittlung nimmt die Beklagte hoheitliche Aufgaben wahr, deren inhaltliche und organisatorische Ausgestaltung nach pflichtgemäßem Ermessen zu erfolgen hat. Hiermit korrespondiert ein subjektiv-öffentliches Recht des Arbeitsuchenden auf Tätigwerden der Beklagten. Wenn die Beklagte - wie hier - im Rahmen ihres Organisationsermessens spezielle Karteien für bestimmte Berufsgruppen bildet, wie etwa die Schauspielerkartei der ZAV-Künstlervermittlung, ist es ihr unter Berücksichtigung der verfassungsrechtlich verbürgten Berufsfreiheit verwehrt, Arbeitsuchende, die einen entsprechenden Berufsabschluss erworben haben, nicht in eine solche Kartei aufzunehmen. Dies gilt jedenfalls dann, wenn – wie es nach den tatsächlichen Feststellungen des Landessozialgerichts der Fall ist – die Ausbildung der Klägerin an der privaten Filmschauspielschule Berlin der Schauspielerausbildung an einer staatlichen Schule inhaltlich gleichwertig ist, Arbeitgeber bei zu besetzenden offenen Stellen an Theatern sich fast ausschließlich der ZAV-Künstlerkartei bedienen und die Nichtaufnahme damit zu einer faktischen Nichtvermittlung des Arbeitsuchenden führt. Der Senat hat allerdings darauf hingewiesen, dass es der Beklagten unbenommen ist, auf der Grundlage der gesetzlich vorgegebenen Potentialanalyse eine individuelle Bewertung der Eignung der Klägerin vorzunehmen und das Ergebnis in die Entscheidung über eine Vermittlung einfließen zu lassen.

Rechtsvorschriften:

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Lesetipp zum Bandits-Jubiläum

Wow, was für ein grandioser Text über den Film, der vor 20 Jahren seiner Zeit und vor allem den (männlichen) Kritikern um mindestens zwei Jahrzehnte voraus war. Den Film, der das Quartett Katja von Garnier, Katja Riemann, Jasmin Tabatabai und vor allem Nicolette Krebitz nicht nur zu Ikonen des Kinos machte, sondern als Freundinnen zusammenschweißte: BANDITS. (LINK hier)

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Nominierungen für den Regiepreis „Metropolis“

Der Deutsche Regiepreis „Metropolis“ ist die Spitzenauszeichnung von Regisseuren/innen für Regisseure/innen sowie für einige der wichtigsten Mitstreiter der Regie. Er ist mit insgesamt 60.000 EUR dotiert. Die Preisverleihung findet am 5. November 2017 in München statt. Aus den Einreichungen hat eine vierköpfige Jury aus Regisseurinnen und Regisseuren des BVR folgende Film- und Fernsehwerke aus dem Jahrgang 2016/17 nominiert. Eine Bandbreite von Hans Steinbichler bis Til Schweiger, von Kirsi Marie Liimattainen bis Tom Lass:

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Pensionskasse Rundfunk: „Limburger Lösung“ sinnvoll ergänzt

ARD, ZDF, Produzentenallianz, Filmförderinstitutionen, Pensionskasse Rundfunk, die Gewerkschaften Bundesverband Schauspiel e.V. (BFFS) und ver.di haben sich am 27. September 2017 in Frankfurt am Main bei einem noch offenen Punkt für die Beitragsgewährung zur Altersvorsorge von freien Fernsehschaffenden geeinigt. Zukünftig wird auch bei geförderten TV-Koproduktionen der volle Anstaltsbeitrag an die Pensionskasse Rundfunk abgeführt. Damit ist die wichtigste Grundlage für die Altersvorsorge freier Fernsehschaffender gesichert. Die Einigung ergänzt die sogenannte „Limburger Lösung“ vom 1. November 2016. Die Ergänzung zur „Limburger Lösung“ muss noch von allen Vertragsparteien unterzeichnet werden.
Der BFFS begrüßt die finale Einigung, die schon seit Längerem von der Branche erwartet wurde. Sie schafft endgültig Klarheit für alle am Modell der Pensionskasse Rundfunk Beteiligten.
Die „Limburger Lösung“ regelt, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten den Produzenten die von ihnen an die Pensionskasse Rundfunk abgeführten Beiträge bei voll- und teilfinanzierten Auftragsproduktionen auf Nachweis komplett erstatten. Nur die Beitragsregelungen bei geförderten TV-Filmen waren bisher nicht abschließend geklärt, weil die Filmförderinstitutionen zuvor in den Limburger-Lösung-Prozess nicht einbezogen waren. Das wurde nun zu aller Zufriedenheit nachgeholt. (Basis Mitteilung des BFFS)

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„Die Blumen“ bester nationaler Film

Bei der Vergabe des Gilde Filmpreises 2017 am 28.09.2017 im Rahmen der Filmkunstmesse Leipzig wurde die Holocaust-Tragikomödie „Die Blumen von Gestern“ (Regie: Chris Kraus) als „bester nationaler Film des Kinojahres“ ausgezeichnet.
Damit setzte sich Chris Kraus („Vier Minuten“, „Poll“) gegen starke Mitbewerber durch Nominiert waren auch die deutsche Oscar-Einreichung „Aus dem Nichts“ von Fatih Akin, der österreichische Publikumshit und Berlinale-Wettbewerbsbeitrag „Wilde Maus“ von und mit Josef Hader sowie das in Cannes begeistert gefeierte Drama „Western“ (Regie: Valeska Grisebach).